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Die Sage vom Schlüsselfelder Bürgerwald

© Stadt Schlüsselfeld

Auf der Anhöhe nördlich von Schlüsselfeld erstreckt sich der Schlüsselfelder Bürgerwald auf einer Fläche von 245 Hektar. Der aus Eichen, Buchen und Kiefern bestehende Mischwald ist reich an Wild und in so manchem Jahr auch an Beeren und Pilzen.

Der Volksmund nennt als Schenkerin Anna Amalia von Laufenholz (1526 – 1636), die Gemahlin Wolfs von Wehrn, damals Herr zu Untermelsendorf und Amtmann zu Wachenroth.

Die Sage erzählt, dass die Edeldame einst (im Jahr 1620) im angrenzenden Wald spazieren ging. Sie wurde von der Nacht überrascht und konnte den Heimweg nicht mehr finden. Nach langem Umherirren hörte sie aber Glockengeläute von der Nachtglocke (Irrglocke) der Schlüsselfelder Pfarrkirche. Sie ging dem Schall nach und kam auf diese Weise glücklich vor den Toren der Stadt an. Aus Dankbarkeit schenkte sie den Forst auf ewige Zeiten der Bürgerschaft von Schlüsselfeld.

Dieser Sage nach begründet sich so das Holzrecht, das heute noch in Schlüsselfeld besteht. Seither erhalten die Schlüsselfelder Bürger ihr Holz aus dem Bürgerwald. Das Holzrecht liegt auf der jeweiligen Flurnummer und wird mit dem Anwesen vererbt bzw. verkauft. Ursprünglich waren es 74 Holzrechte. Nach einem Streit um 1875 wurde festgelegt, dass diese brennholzberechtigten Bürger alljährlich 8 Ster Brennholz erhalten. Dafür verzichteten die Berechtigten auf Bezug von Stock- und Wellenholz. Die Nichtrechtler (also die übrigen „Neu"-bürger) erhielten damals das sog. Streurecht.

Noch heute werden die 8 Ster jeweils im Frühjahr in Anwesenheit des Bürgermeisters im Rathaussaal unter den Berechtigten verlost. Außerdem läutet allabendlich in Schlüsselfeld um 21.00 Uhr die zweitgrößte Glocke der Pfarrkirche als Irrglocke.

Die Thüngfelder Bürger behaupten allerdings bis heute, es hätte sich damals um ihre Glocke gehandelt. Deshalb würden der Bürgerwald und vor allem das damit verbundene Holzrecht auch den Thüngfeldern und nicht den Schlüsselfeldern zustehen. 

Quelle:
Nach einem Aufsatz von Ewald Glössner in: Der Steigerwald, Zeitschrift einer fränkischen Landschaft, Natur, Kultur, Geschichte, 4. Jahrgang, Oktober 1984, Nr. 4.

Der Molitor

Der Molitor lebte zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Gutsverwalter in Aschbach und war für die Kinder früher das Schreckgespenst. Er lebte im heute noch bestehenden Anwesen am Fuße des Kaulbergs in Aschbach. Von ihm erzählte man sich bereits zu seinen Lebzeiten hinter vorgehaltener Hand die tollsten Geschichten, so z. B. dass er sich unsichtbar machen und überall unbemerkt auftauchen könne. Kein Wilderer und Holzfrevler war sicher, denn der Molitor konnte jederzeit plötzlich zwischen den Bäumen stehen und die Missetat ahnden. Er sperrte die Gesetzesbrecher in den Schlosskerker und peinigte sie der Überlieferung nach „bis aufs Blut".

Bei der Beerdigung des Molitors geschah der Sage nach Folgendes: Während der Trauerzug am Dorfsee entlang mit seiner Leiche dem Friedhof zustrebte, schaute der Molitor vom Giebelfenster seines Amtshauses höhnisch grinsend, den Kopf unter dem Arm, auf den stattlichen Leichenzug.

Bis heute erzählt man sich, dass der Molitor ohne Kopf in Aschbach umher geht. So wird auch den Ministranten beim Ratschen im Schlosshof streng auferlegt, nicht in die nach dem Torbogen liegenden Stallungen zu schauen, da dort der Molitor ohne Kopf auf einem schwarzen Rappen sitze und jeder, der ihn ansieht, tot umfällt.

Dass der Molitor tatsächlich gelebt hat, beweist eine Aschbacher Schulfonds-Rechnung, auf der er unterschrieben hat.

Quelle:
Nach Ausführungen in: Der Steigerwald, Zeitschrift einer fränkischen Landschaft, Natur, Kultur, Geschichte, 4. Jahrgang, 1984, Nr. 1.